Segelreise 2018 (Teil 5)

Was bisher geschah …

Teil 1: Tag 0 – 2 (Kappeln – Lyø – Lohals)

Teil 2: Tag 3 – 5 (Lohals – Nyborg – Skælskør – Bandholm)

Teil 3: Tag 6 – 8 (Bandholm – N 55° 02.098 | E 011° 47.871 – Karrebæksminde – Korsør)

Teil 4: Tag 9 – 11 (Korsør – Lundeborg – Søby – Skarø)

Tag 12 – von Skarø nach Marstal

Heute Morgen sind einige von uns mit der Fähre nach Svendborg gefahren, um Fisch zu kaufen. Das war nötig, weil für heute Abend ein Captain’s Dinner geplant war. Das bedeutet, dass sich heute die eigentliche Crew der Pippilotta, also Kapitän, Kapitänin und Bootsmann, um die Zubereitung und das Servieren des Abendessens kümmerten.

Wir hatten bisher immer sehr gutes Essen, aber was beim Captain’s Dinner abgefeuert wurde, war phänomenal. Es gab Pellkartoffeln, Gemüse und mehrere Gänge Fisch, darunter Scholle, Dorsch und Lachs.  Angestoßen wurde mit Weißwein, Bier und Aquavit. Durch das Dinner führte der Kapitän stilecht mit Mütze, Augenklappe und Riesenkochlöffel. Auch wir haben uns natürlich alle schick gemacht.

Nach dem Captain’s Dinner wurden Urkunden verliehen. Wir haben uns bereits vor der Segelreise Fragen ausgedacht und daraus eine Umfrage gemacht, die den ganzen Tag über lief. Die Fragen waren:

  • Wer hat am besten gekocht?
  • Wer hat am coolsten in den Sonnenuntergang geguckt?
  • Wer ist am elegantesten die Salon-Treppe runtergegangen?
  • Wer ist am besten angezogen?
  • Wer hat am leisesten geschlafen?
  • Wer ist am höchsten geklettert?
  • Wer hat die interessanteste Geschichte erzählt?
  • Wer hat die meisten Spiele gewonnen?
  • Wer hat am besten gesteuert?
  • Wer ist am braunsten geworden?
  • Wer hat die außergewöhnlichste Kopfbedeckung getragen?
  • Wer ist am schönsten ins Wasser gesprungen?
  • Wer hat für den größten Lacher gesorgt?
  • Wer ist am hilfsbereitesten gewesen?
  • Wer hat für die beste Kinderbetreuung gesorgt?

Die Ergebnisse hatte ich am Abend ausgezählt und die Urkunden (die auch vorher schon vorbereitet wurden) feierlich verteilt. Die Urkunde für das Erzählen der interessantesten Geschichte ging natürlich an den Kapitän, der zum Dank auch noch eine garantiert wahre Geschichte erzählt hat. Es ging darum, wie er seine Narben bekommen hat, aber diese Geschichte gehört nicht hier her. Sie gehört zu dem Kapitän, denn nur er kann sie erzählen. Ansonsten wäre sie nicht wahr.

Das wäre der ideale Abschlusssatz gewesen, aber dem Aquavit sei Dank passierte noch mehr. Hier nur die Zusammenfassung: Es wurde vor Bushaltestellen herumgelungert, es wurden Knöchel verstaucht. Es wurden fremde Schiffe bestiegen und es wurden sehr viele Liegestütze gemacht. Am meisten wurde aber dummes Zeug geredet. Es war eine schöne Nacht.

Tag 13 – von Marstal nach Bagenkop

Heute Vormittag gab es vom Kapitän eine Führung durch Marstal, das heißt genauer gesagt durch den Hafen und Umgebung. Hier haben wir erfahren, wie die Hafenmauer gebaut wurde – 16 Jahre lang Stein für Stein – und wie hier Holzschiffe gebaut und ins Meer gelassen wurden. Ein Schiff, das gerade komplett restauriert wird, konnten wir sogar begehen. Das alles war sehr interessant und da ich die Führung vor vier Jahren nicht mitgemacht habe, hat es mich sehr gefreut, diesmal dabei gewesen zu sein.

Nach der Führung legten wir ab und fuhren nach Bagenkop. Heute waren wir alle ziemlich faul, daher kann ich zur Fahrt nicht viel sagen. Ich habe entweder geschlafen oder gelesen.

Auch in Bagenkop waren wir vor vier Jahren schon, und zwar direkt nach der See-Hochzeit. Das weckt natürlich schöne Erinnerungen (ich nehme an auch für das Brautpaar).

Zum Abendessen gab es allerhand Reste, z.B. Linsen oder Jagdwurst. Auch das war wieder lecker. Man merkt allerdings, dass es der letzte Abend ist. Die meisten Gespräche handeln davon und wir müssen uns langsam mit dem Gedanken anfreunden, dass wir morgen wieder im echten Leben angekommen sein werden.

Tag 14 – von Bagenkop nach Kappeln

 Als die meisten heute aufgestanden sind, fuhren wir schon. Es ging nämlich  bereits um 7 Uhr los Richtung Kappeln. Frühstück gab es wie gewohnt um 9 Uhr, doch danach wurde damit angefangen, klar Schiff zu machen. Im Grunde haben wir gleichzeitig das ganze Schiff geputzt – jeder hatte eine Aufgabe, ich habe z.B. Fenster geputzt – und unsere Sachen gepackt sowie alle Lebensmittel und Flaschen an Deck gebracht. Es ist nicht so viel Essen übrig geblieben, aber so zwei drei Pfandflaschen haben sich über die zwei Wochen schon angesammelt – wohl gemerkt aber nicht so viel wie in den letzten Jahren. Wir werden wohl auch nicht jünger.

Vor Kappeln war mächtig viel Verkehr auf dem Wasser und das muss schon ein lustiger Anblick gewesen sein, wie wir da so zwischen den Bierkisten an Deck herumwuselten. Dass jeder was zu tun hatte, ließ uns auch kurz vergessen, dass es eigentlich schon wieder fast vorbei ist. Die Erinnerung daran kam bei mir zumindest dann schlagartig, nachdem wir angelegt hatten.

In Kappeln haben wir dann noch wunderschöne Gruppenfotos gemacht und die ein oder anderen Tränen wurden verdrückt. Danach hieß es, das Schiff leer räumen und verabschieden. So ist das leider und es muss dazugehören, dass das etwas traurig ist, ansonsten wären die Tage davor ja auch nicht so schön. Wir sehen uns alle auch sicherlich wieder, spätestens nach zwei Jahren.

Alles in allem war das wieder mal eine sehr schöne Segelreise. Es ist nicht selbstverständlich, das machen zu können – vor allem mit so vielen Freunden und Freundinnen und natürlich auch mit einer so tollen Pippilotta-Crew. Dass wir das so regelmäßig auf die Reihe bekommen, ist einfach wunderbar.

Ich bedanke mich auch bei allen, die Zeit gefunden haben, das hier zu lesen und Freude daran gefunden haben. Eigentlich wollte ich diesmal kein Logbuch schreiben. Als mir allerdings am ersten Tag schon jemand sagte, er freue sich schon darauf, das später zu lesen, war mir klar, dass ich das doch machen wollte. Einer reicht ja manchmal schon aus.

Segelreise 2018 (Teil 4)

Was bisher geschah …

Teil 1: Tag 0 – 2 (Kappeln – Lyø – Lohals)

Teil 2: Tag 3 – 5 (Lohals – Nyborg – Skælskør – Bandholm)

Teil 3: Tag 6 – 8 (Bandholm – N 55° 02.098 | E 011° 47.871 – Karrebæksminde – Korsør)

Tag 9 – von Korsør nach Lundeborg

Mit dem neuen Tag sind auch die Roller Kids verschwunden. Nachdem wir noch die Pommesreserven des örtlichen Hafenrestaurants leergekauft und gegessen hatten, segelten wir los Richtung Lundeborg. Dort mussten wir bis 17 Uhr ankommen, da wir uns einen Platz im neu umgebauten Hafen reserviert haben.

Die Sonne knallte heute extrem. Glücklicherweise haben wir nicht nur Segel-Segel, sondern auch Sonnensegel. Durch die Sonne entstanden am Horizont Spiegelungen, so dass es aussah, als würden Bäume über dem Meer schweben. Vielleicht tun sie das auch, ich konnte das nicht prüfen.

Der Hafen von Lundeborg ist sehr modern. Er ist aufgebaut wie eine Schnecke, wahrscheinlich eine Seeschnecke, besser gesagt das Haus einer Seeschnecke, jetzt hab ich es. In Lundeborg suchte ich mir ein schattiges Plätzchen unter einem Birnenbaum. Hier las ich “Glantz und Gloria” von Henning Ahrens aus. Das war super, auf Herrn Ahrens ist jederzeit Verlass. Weiter geht es jetzt mit “Miakro” von Georg Klein. Haben wir das auch erwähnt.

Am Abend lief auch noch die “Lilla Dan” in den Hafen ein und legte in zweiter Reihe neben uns an. Die Frage der Crew, ob wir Polen seien, mussten wir verneinen. Eigentlich hätte sich das erübrigen müssen, denn …

Zum Abendessen gab es Bratwurst mit Sauerkraut und Kartoffeln. Yummy!

Tag 10 – von Lundeborg nach Søby

Heute früh haben wir wie fast jeden Tag frische Brötchen geholt. Das in Verbindung mit dem für diese Reise neu eingeführten Mittags-Snack ist im Grunde genommen der pure Luxus. Die letzten Touren kamen wir teilweise als ausgemergelte Horrorgestalten zurück. Diesmal sind wir wohlgenährt und gestylt. Wir haben nämlich nicht nur Essen im Überfluss, sondern bieten auch diverse Dienstleistungen an. Sie brauchen eine neue Frisur? Machen wir! Massage? Kein Problem! Ein neuer Bilderrahmen? Sagen Sie uns nur die Größe! Eine Beratung oder ein Gutachten? Immer her mit den Anfragen! Das und noch viel mehr können wir bieten.

Nachdem wir in Søby angelegt haben, liefen wir zum Supermarkt, um saure Gurken zu kaufen. Das sollte ein ganz besonderer Preis werden, denn heute ging das Pub-Quiz in die zweite Runde. Die Gurken winkten dem letztplatzierten Team. Eine weitere Änderung war, dass ich für den Fall eines Stechens eine Umfrage gestartet habe. Die Frage war, Nutella mit oder ohne Butter. Das Ergebnis der Crew war, dass 68% Nutella auf Toast mit Butter essen und 32% ohne. Schockierend, wie viele Wahrheiten hier ans Licht kommen. Das Quiz jedenfalls lief auch diesmal wieder gut. Sogar der Kapitän hat mitgemacht (und natürlich gewonnen).

Zum Abendessen wurde heute wieder gegrillt. Es gab erneut alles. Lecker!

Tag 11 – von Søby nach Skarø

Heute wollten wir eigentlich nach Fåborg, um Fisch zu kaufen. Dort war der Hafen allerdings für 30 Schiffe reserviert, also segelten wir woanders hin.

Wir erreichten Skarø relativ früh, allerdings konnten wir wegen eines Wikingerschiffes erst etwas später anlegen. Mit denen legt man sich besser nicht an.

Skarø ist die Insel mit dem dreieckigen Fußballplatz. Hier waren wir bereits vor ein paar Jahren, allerdings ist diesmal hier viel mehr los, da auch in Dänemark Urlaubssaison ist. Trotzdem ist Skarø immer eine Reise wert. Die Insel ist so klein, dass man sie zu Fuß umrunden kann. Hier gibt es wenig Einwohner, viel Eis und noch mehr Hasen.

Da der Andrang hier recht groß war, legten an die Pippilotta noch zwei weitere Schiffe an. Darunter auch das Wikingerschiff. Damit kommen wir klar, wir sind schließlich auch mit den Roller Kids fertig geworden.

Heute war es übrigens irrsinnig heiß. In der Sonne hielt man es nur ca. drei Sekunden aus. Das wirkte sich auch auf den Geisteszustand der Crew aus. Einige von uns rotteten sich im Schatten einer Hafenhütte zusammen. Das sah aus wie früher vor der Kaufhalle (nur mit mehr Bier). Andere performten eine verrückte Tanz-Choreografie zu 90er-Jahre-Musik während der Zubereitung des Abendessens. Erstaunlich, dass dabei auch etwas heraus kam. Das sollte auf jeden Fall mal wissenschaftlich untersucht werden. Hier bietet sich z.B. das Institut Friesenius an.

Zum Abendessen gab es Nudeln mit Tomatensoße. Fetzig!

Segelreise 2018 (Teil 3)

Was bisher geschah …

Teil 1: Tag 0 – 2 (Kappeln – Lyø – Lohals)

Teil 2: Tag 3 – 5 (Lohals – Nyborg – Skælskør – Bandholm)

Tag 6 – von Bandholm nach N 55° 02.098 | E 011° 47.871

Obwohl morgen erst Freitag, der 13. ist, hatten wir heute etwas Pech. Zuerst konnten wir nicht wie eigentlich geplant auf Femø anlegen, da auch hier der Hafen voll war. Dann hatten wir relativ lange Flaute, aber immerhin Badepause.

Am späten Nachmittag ging es dann weiter und wir hatten den ersten Notfall. Um 19:35 Uhr bei N 55° 00.311 E 011° 39.732 ist der erste über Bord gegangen und musste gerettet werden. Auf einmal wurde es dramatisch. Die Segel wurden gerafft und jemand musste zu jeder Zeit Blickkontakt zum sich schon am Horizont befindlichen über Bord gegangenen halten. Das Schiff wurde gedreht und das Beiboot heruntergelassen. Es musste 30° rechts der Sonne ansteuern. Jetzt hieß es nur noch bibbern, bangen und hoffen …

Als das Beiboot zurück kam, gab es Applaus. Die Rettung war geglückt und wir waren alle so erleichtert. Heute habe ich gelernt, hier wird niemand im Stich gelassen. Auch kein Schwimm-Donut.

Nachdem wir auch in Masnedø und Vordingborg nicht anlegen konnten, beschlossen wir bei N 55° 02.098 E 011° 47.871 zu ankern und auf offener See zu übernachten.

Zum Abendessen gab es heute Schmorgurken. Lecker!

Tag 7 – von N 55° 02.098 | E 011° 47.871 nach Karrebæksminde

Heute Morgen zogen wir den Anker hoch (Uff!) und dann ging es los. Der Wind wehte gemächlich und da wir oft die Richtung wechseln mussten, mussten wir dementsprechend oft die Segel von einer Seite zur anderen ziehen (Ächz!).

Mit Karrebæksminde haben wir abgesehen von Malmö vor zwei Jahren im wohl touristischsten Hafen bisher angelegt. Hier gab es einen vollen Strand, eine Hafenpromenade, Restaurants noch und nöcher und vieles mehr.

Unglücksmäßig ist heute am Freitag den 13. nichts passiert. Laut Kapitän ist heute ein doppelter Glückstag. Einmal, weil Freitag ist und einmal, weil es der 13. ist. Da kann man nichts gegen sagen. Trotzdem realisieren wir aber auch langsam, dass wir schon die Hälfte der Segelreise hinter uns haben. Aber darüber groß nachzudenken macht nur müde.

Heute gab es zum Abendbrot Soljanka. Lecker lecker!

Tag 8 – von Karrebæksminde nach Korsør

Heute früh ging es erst kurz einen Cache suchen und dann auf einen Flohmarkt in Karrebæksminde. Nach einer Eiswaffel ging es dann los Richtung Korsør. Dort angekommen dachte ich kurz, wir wären im tiefsten Brandenburg. So jedenfalls sah die Hafengegend aus. Es war allerdings nicht Neuruppin, sondern in der Tat Korsør.

Im Hafen wurden wir schon beim Anlegen von einer Gruppe erlebnisorientierter Jugendlicher mit Rollern begrüßt. Diese Roller Kids knatterten den Hafen rauf und runter, jede Runde lauter als die davor. Das ist schön für die Kids, denn ich denke, am Sonntagabend sind die Optionen, was man hier machen kann, eher gering. An der Bushaltestelle abhängen oder Einkaufswagen knacken ist irgendwann auch langweilig. Aber um ehrlich zu sein, waren wir von dem Geknatter relativ unbeeindruckt. Ich würde aber auch lügen, wenn wir diese Nacht nicht mehr Sachen als nötig an Deck gelassen haben. Außerdem werden wir morgen vor dem Ablegen nochmal die Schränke nach blinden Passagieren absuchen.

Zum Abendessen gab es heute österreichischen Krautstrudel. Mjam!