Segelreise 2018 (Teil 3)

Was bisher geschah …

Teil 1: Tag 0 – 2 (Kappeln – Lyø – Lohals)

Teil 2: Tag 3 – 5 (Lohals – Nyborg – Skælskør – Bandholm)

Tag 6 – von Bandholm nach N 55° 02.098 | E 011° 47.871

Obwohl morgen erst Freitag, der 13. ist, hatten wir heute etwas Pech. Zuerst konnten wir nicht wie eigentlich geplant auf Femø anlegen, da auch hier der Hafen voll war. Dann hatten wir relativ lange Flaute, aber immerhin Badepause.

Am späten Nachmittag ging es dann weiter und wir hatten den ersten Notfall. Um 19:35 Uhr bei N 55° 00.311 E 011° 39.732 ist der erste über Bord gegangen und musste gerettet werden. Auf einmal wurde es dramatisch. Die Segel wurden gerafft und jemand musste zu jeder Zeit Blickkontakt zum sich schon am Horizont befindlichen über Bord gegangenen halten. Das Schiff wurde gedreht und das Beiboot heruntergelassen. Es musste 30° rechts der Sonne ansteuern. Jetzt hieß es nur noch bibbern, bangen und hoffen …

Als das Beiboot zurück kam, gab es Applaus. Die Rettung war geglückt und wir waren alle so erleichtert. Heute habe ich gelernt, hier wird niemand im Stich gelassen. Auch kein Schwimm-Donut.

Nachdem wir auch in Masnedø und Vordingborg nicht anlegen konnten, beschlossen wir bei N 55° 02.098 E 011° 47.871 zu ankern und auf offener See zu übernachten.

Zum Abendessen gab es heute Schmorgurken. Lecker!

Tag 7 – von N 55° 02.098 | E 011° 47.871 nach Karrebæksminde

Heute Morgen zogen wir den Anker hoch (Uff!) und dann ging es los. Der Wind wehte gemächlich und da wir oft die Richtung wechseln mussten, mussten wir dementsprechend oft die Segel von einer Seite zur anderen ziehen (Ächz!).

Mit Karrebæksminde haben wir abgesehen von Malmö vor zwei Jahren im wohl touristischsten Hafen bisher angelegt. Hier gab es einen vollen Strand, eine Hafenpromenade, Restaurants noch und nöcher und vieles mehr.

Unglücksmäßig ist heute am Freitag den 13. nichts passiert. Laut Kapitän ist heute ein doppelter Glückstag. Einmal, weil Freitag ist und einmal, weil es der 13. ist. Da kann man nichts gegen sagen. Trotzdem realisieren wir aber auch langsam, dass wir schon die Hälfte der Segelreise hinter uns haben. Aber darüber groß nachzudenken macht nur müde.

Heute gab es zum Abendbrot Soljanka. Lecker lecker!

Tag 8 – von Karrebæksminde nach Korsør

Heute früh ging es erst kurz einen Cache suchen und dann auf einen Flohmarkt in Karrebæksminde. Nach einer Eiswaffel ging es dann los Richtung Korsør. Dort angekommen dachte ich kurz, wir wären im tiefsten Brandenburg. So jedenfalls sah die Hafengegend aus. Es war allerdings nicht Neuruppin, sondern in der Tat Korsør.

Im Hafen wurden wir schon beim Anlegen von einer Gruppe erlebnisorientierter Jugendlicher mit Rollern begrüßt. Diese Roller Kids knatterten den Hafen rauf und runter, jede Runde lauter als die davor. Das ist schön für die Kids, denn ich denke, am Sonntagabend sind die Optionen, was man hier machen kann, eher gering. An der Bushaltestelle abhängen oder Einkaufswagen knacken ist irgendwann auch langweilig. Aber um ehrlich zu sein, waren wir von dem Geknatter relativ unbeeindruckt. Ich würde aber auch lügen, wenn wir diese Nacht nicht mehr Sachen als nötig an Deck gelassen haben. Außerdem werden wir morgen vor dem Ablegen nochmal die Schränke nach blinden Passagieren absuchen.

Zum Abendessen gab es heute österreichischen Krautstrudel. Mjam!

Segelreise 2018 (Teil 2)

Was bisher geschah …

Teil 1: Tag 0 – 2 (Kappeln – Lyø – Lohals)

Tag 3 – von Lohals nach Nyborg

Heute hatten wir wahnsinnige Geschwindigkeit und bekamen sogar eine Wende ohne Motor hin. Außerdem gab es ein kleines Wettrennen mit anderen Schiffen vor dem Hafen von Nyborg, weil wir einen bestimmten Anlegeplatz erreichen wollten. Das haben wir dann auch geschafft, ohne dass wir auf dreckige Tricks zurückgreifen mussten.

In Nyborg gab es wahnsinnig tolles Softeis und Pommes, wirklich irrsinnig gut. Hier werden zwar um 17 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt, aber der Softeis- und Pommes-Zug rollt 24 Stunden!

Zum Abendessen gab es Pellkartoffeln und Quark. #kannmanmalmachen

An sich war das heute ein schöner Tag, an dem aber nicht viel passiert ist. Für morgen ist was tolles geplant, aber dazu später mehr.

Tag 4 – von Nyborg nach Skælskør

Flashback zu zwei Wochen zuvor. Ich hatte die fixe Idee, auf Segelreise ein Pub-Quiz zu veranstalten und habe dazu alle nötigen Vorkehrungen inkl. Poster und Flyer zu erstellen getroffen. Wer erinnert sich schließlich nicht an die Dropkick Mollys 2011 im McCormack’s in Leipzig, die dort unter schwersten Bedingungen das Quiz gewonnen haben? Eben.

Das ganze sollte also heute nach dem Abendabwasch stattfinden. Die Flyer wurden also verteilt und die Poster aufgehängt. Meine Aufregung deswegen stieg von Stunde zu Stunde, denn einer musste den Quizmaster machen und das war natürlich der, der die Idee hatte. Jetzt ist für mich schon eine Herausforderung, mit einer Person zu sprechen – wie sieht das wohl mit über zwanzig aus?

Ich kann euch sagen, es sah am Ende alles gut aus. Meine Nervosität stieg bis zum Beginn des Pub-Quizzes immer weiter – parallel zum Guinness-Konsum, obwohl da kein direkter Zusammenhang besteht (ganz im Gegenteil!) – und erreichte teilweise das Niveau einer mündlichen Prüfung … vor den Schwiegereltern … ohne Hose. Als das Quiz dann losging, war das aber alles fast kein Thema mehr.

Es wurden fünf Runden à fünf Fragen gespielt. Die Fragen habe ich vorher grob aus einem Spiel ausgewählt und reichten von „Wie heißt der deutsche Titel des Zeichentrickfilms The Lady and the Tramp?“ bis „Was bezeichnet man im Schriftsatz als Schusterjungen und Hurenkinder?“. Einzig bei der Unterscheidung zwischen Knödeln und Klößen – ich wollte beides als Antwort gelten lassen – entstand ein kleiner Lynchmob, der das machen wollte, was Lynchmobs so machen.

Insgesamt gab es fünf Teams und auch fünf Preise, darunter Knallerbsen, eine Seifenblasenpfeife und eine Bacardi-Klingel, also Dinge, die auf einem Schiff unerlässlich sind.

Ich hatte das Gefühl. das Pub-Quiz kam gut an (bis auf die weinenden Gesichter bei Null-Punkte-Runden). Gut möglich, dass wir das nächste Woche noch einmal machen.

Zum Abendessen wurde heute gegrillt. Es gab alles.

Tag 5 – von Skælskør nach Bandholm

In Skælskør haben wir heute vor dem Ablegen noch kurz einen Second-Hand-Laden sowie das heute stattfindende Keramik-Fest besucht. In ersterem habe ich gelernt, dass Jeans auf Dänisch Cowboy-bukser genannt werden. Auf zweiterem habe ich gelernt, dass ich von Keramik nicht genug verstehe, um dieses Handwerk so wertzuschätzen, wie es wahrscheinlich nötig wäre.

In Lohals gab es übrigens bevor wir ankamen das Frikadellen-Festival. Ich bin gespannt, was noch so kommt. Noch kann ich kein Muster erkennen.

Skælskør selbst liegt am Ende eines Fjords, durch den wir nach dem Ablegen wieder zurückgefahren sind. Vorbei ging es erneut an einer Brauerei, wo es stark nach Erbsensuppe roch. Sehe ich hier einen neuen Craft-Bier-Trend an uns vorbeiziehen?

Segeltechnisch hatten wir den ganzen Tag Flaute, weshalb wir eine Badepause für die ganz harten machen konnten. Anlegen wollten wir auf Femø, allerdings war da kein Platz mehr im Hafen. Da wir keine Kanonen an Bord haben und die Reichweite der Knallerbsen eher beschränkt ist, steuerten wir mit Bandholm auf Lolland den nächsten Hafen an.

Auf den ersten Blick ist Bandholm unspektakulär – der Kapitän sprach von einer sterbenden Stadt. Über den Bäumen am konnte man jedoch etliche Insekten sehen, die wie Rauchschwaden in der Luft hingen. Werden sie in der Nacht über uns kommen und uns zum Teil der sterbenden Stadt machen? Wer weiß das schon …

Zum Abendessen gab es jedenfalls Curry-Reis. In meinen analogen Aufzeichnungen war hier ein Hurenkind.

Segelreise 2018 (Teil 1)

Tag 0 – Kappeln

Es geht wieder los. Nach einem Jahr Segelpause geht es wieder auf große Fahrt, für mich zum nun dritten Mal. Hätte man mir vor zehn Jahren gesagt, dass ich regelmäßig Segeln fahren würde, noch dazu auf einem Traditionsschiff mit 20 bis 30 Leuten – ich hätte es echt nicht glauben können.

Wir sind heute gegen 19:30 Uhr in Kappeln am Hafen angekommen und konnten direkt aufs Schiff. Viele kamen heute schon und einige werden morgen noch anreisen. Mehr als Ankommen gab es heute auch nicht groß. Es gibt ein paar optische Veränderungen auf der Pippilotta. Im Salon wurde neu gestrichen, es gibt hier und da Blumentöpfe und in einer Kajüte sogar eine neue Wand. An sich bleibt das Schiff aber vertraut wie eh und je.

Tag 1 – von Kappeln nach Lyø

Heute hieß es: Früh aufstehen und auf die Lieferung unserer Lebensmittel und Getränke warten … und warten … und warten.

Irgendwann kam die dann auch und wir verwendeten unsere ganze Tetris-Erfahrung, um die Massen an Kisten sicher unterzubringen. Bis Mittag kam dann auch der Rest der Crew, inklusive Kapitän.

Kurs darauf ging es dann raus aus Kappeln, wo wir von zahlreichen Schaulustigen und Möwen verabschiedet wurden. Kurz nachdem wir auf offener See waren, stellte uns der Kapitän das Schiff vor und klärte uns über die Gefahren des Untergehens, Abbrennens oder des Von-Bord-Gehens auf.

Viele von uns sind mittlerweile alte Hasen, was das Segeln mit der Pippilotta angeht. Das heißt, wir sind so alte Hasen, dass wir altersbedingt viele Sachen vergessen haben. Wie wird belegt? Wo kommen die Messer hin? Wie geht der Ofen an? Zum Glück konnte das alles schnell wieder aufgefrischt werden. So wurden die Segel gehisst und Fahrt aufgenommen.

Unser Ziel heute war Lyø. Über diese Insel ist an anderer Stelle schon viel gesagt worden. Sagen wir mal so – sie könnte auch „Helene-Insel“ genannt werden.

Da es nicht fehlen darf: Zum Abendbrot gab es Nudeln mit Spinatsauce.

Morgen früh werde ich nochmal über die Insel wandern. Hier gibt es noch einen Cache, den ich noch nicht gefunden habe. Ich freue mich auf morgen!

Tag 2 – von Lyø nach Lohals

Der Tag heute begann mit einer kleinen Wanderung. Ich stand um 7 Uhr auf, um die vom Hafen gegenüber liegende Seite von Lyø zu erreichen. Dort sollte der letzte Cache liegen, den ich auf der Insel noch nicht gefunden habe. Die Entfernung zur anderen Seite beträgt Luftlinie ca. 2 km.

Auf dem Weg kam ich zuerst durch das Dorf Lyø mit seinem Einkaufsladen und seinen Bauernhöfen. Den größten Teil der Strecke bildete ein schnurgerader Weg direkt zur See. Das besondere daran waren die vielen Hasen, die vor mir liefen. Es war, als ob sie mir zeigen wollten, wo es lang geht. Links und rechts flogen Vogelschwärme über die Felder, so dass ich kurz dachte, ich wäre in einem Disney-Film. Es hätte mich jedenfalls nicht gewundert, wenn die Vögel auf einmal angefangen hätten, zu singen oder einer der Hasen die fehlende Zeit beklagt und mich in seinen Bau gelockt hätte. Glücklicherweise war das nicht der Fall und die Hasen führten mich direkt zur Küste. Die war wunderschön und nach einigem Hin und Her habe ich auch den Cache gefunden. Ich glaube, den hatte ich vor zwei Jahren schon erfolglos gesucht.

Zurück ging es dann wieder zusammen mit den Hasen Richtung Lyø Hafen.

Abgelegt haben wir um 11 Uhr mit dem Ziel, den wunderschönen aber (für uns) genauso schwer navigierbaren Svendborgsund zu passieren und Lohals zu erreichen.

Gestern ist uns aufgefallen, dass uns die Zeisinge ausgegangen sind. Deshalb hat uns der Kapitän heute gezeigt, wie man astreine Zeisinge baut. Das ist im Prinzip ganz einfach und geht so:

Zuerst nimmt man ein Seil von einer Kapitänslänge. Dann spleißt man ein Ende auf und klebt die drei Kardeele mit Kreppband ab. Dann bildet man ein Auge, spleißt das Seil ein wenig und flechtet die aufgespleißten Enden in die Öffnungen ein, ausgehend vom mittleren Ende. Das Kreppband entfernt man und siehe da, es ist ein Zeising. Man muss jedoch aufpassen. Vergisst man am Ende das n, entsteht daraus ein Zeisig. Der singt zwar schöner, eignet sich aber weniger gut dazu, die gerafften Segel zusammenzuhalten.

Nachdem wir in Lohals angekommen waren, hatte unsere Gruppe Kochdienst fürs Abendessen. Heute gab es Reis mit Erdnusssauce.

Danach haben wir noch den Sonnenuntergang angesehen. Ich hatte kurz die Angst, dass die Sonne nicht mehr auftaucht. Ich hoffe, sie kommt morgen wieder.