Plattgekokst

Letzte Woche gab es bei der Sendung „Punkt 12“ auf RTL ein Interview mit einer ehemaligen Angestellten von Kate Moss. Es ging darum, dass Frau Moss wohl totale Drogenprobleme hat usw. Das interessiert mich herzlich wenig, da ich nicht viel von verkoksten Magersüchtigen halte. Eines ist mir jedoch aufgefallen. Katja Burkard, sozusagen Sprachohr der kranken Regierung… Habe ich gerade Regierung geschrieben? Ich meinte natürlich Redaktion. Schon erstaunlich, wie locker leicht einem manche Satzstrukturen so vorkommen. Jedenfalls hat mich Katjas Ankündigung zum oben genannten Beitrag doch sehr genervt. Es hieß, die Ex-Angestelte berichtet über gemeinsamen Kokainmissbrauch. UND DANN IST ES AUCH NOCH ZUM LESBENSEX GEKOMMEN! Ich kann hier nicht so toll wiedergeben, wie Frau Burkards Betonung lag, jedenfalls kann man wohl mit Drogenmissbrauch nicht mehr Aufmerksamkeit erregen. Es muss schon todbringender LESBENSEX sein.
Dazu fällt mir ein, dass es beim diesjährigen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest ein Lied von Udo Lindenberk, gesungen von Ellen ten Damme, gibt, das den tollen Titel „Plattgefickt“ hat. Da sich das jedoch ein bissel ungewohnt anhört, heißt es jetzt auf einmal „Plattgeliebt“. ist ja eh Jacke wie Hose.
In allen möglichen Dingen sieht man heute eine „Amerikanisierung“. Die oben genannten Beispiele gehören leider stillschweigend dazu.

Aufriss um Abriss

Als ich vor einiger Zeit mit meiner Freundin durch die leipziger Innenstadt geschländert bin, ist uns ein Geschäft aufgefallen, das auf einem Plakat verkündete, nur noch wenige Tage geöffnet zu sein und es deshalb dicke Prozente regnet. Meine Freundin meinte: „Das steht da bestimmt noch ewig.“ Denkste Puppe! Das komplette Haus wurde abgerissen, zur Freude aller vorwiegend männlichen Zuschauer. Wer will nicht mal sehen, wie ein Kran ein Haus einreißt. Ich gesellte mich zu den anderen Gaffern und wir bildeten eine Gruppe, die wie von einem unsichtbaren Band zusammengehalten wurde. Wir vergötterten diesen Kran. Wer hat als Kind nicht schonmal davon geträumt, mit Kränen Häuser einzureißen? Es war für uns so, als würden wir vor einem Spiegel stehen, der uns die geplatzten Träume der Kindheit zeigt.
Ich bin dann allerdings schnell wieder gegangen. Erstens war es sehr kalt und zweitens finde ich es wirklich unhöflich, wenn man mit geplatzten Träumen vor meiner Nase herumwedelt.

Böse Jungs vs. Kichernde Mädels

Manchmal sieht man, dass man schon älter ist als man denkt. Das ist nicht immer so unbequem, wie man vermutet. Als ich heute quer über den verschneiten Augustusplatz gegangen bin, befand ich mich zwischen den Fronten zweier rivalisierender Jugendgangs. Auf der einen Seite waren so 6-7 böse Jungs und auf der anderen so 15-16 kichernde Mädchen. Beide Gruppen waren so 40 Meter voneinander entfernt. Ich entschuldige mich, hier soviele Zahlen eingebaut zu haben. Ich hoffe, das kommt nicht nochmal vor. Es sei denn, ich gebe übers Wochenende Textaufgaben auf.
Wie dem auch sei, jeder böse Junge und jedes kichernde Mädel hatte einen schneeball in der Hand und ich musste mitten durch die Schussbahn. Vor zehn Jahren hätte ich das nicht überlebt, aber heute war das anders. Als ich kurz vor der Mitte war, warf ich einen bösen Blick in richtung kichernde Mädels, woraufhin die sagten „Stop, nicht den Mann bewerfen, der ist ja so cool! – Hihi du bist ja ganz rot! – Stimmt ja gar nicht! Du auch!“. Um ehrlich zu sein, weiß ich gar nicht mehr so genau, was die gesagt haben, aber so in etwa war das sicher. Ich war so verblüfft von der Verschonung.
Jedenfalls hat mich das sehr erheitert und ich ging beschwingt – wie Rotkäppchen durch den Wald – zur Uni.